Offener Brief des Horstmarer Bürgermeisters Robert Wenking

    Wir sind in Horstmar doch viel weiter!

    Herr Geppert aus Berlin suggeriert in seinem Leserbrief polarisierend und in Unkenntnis der Tatsachen Naivität der Leserbriefschreiberin und Beschweigen und Verdrängen in Horstmar. Das kann so nicht stehenbleiben, da es schlicht nicht der Wahrheit entspricht! Im Jahre 1987 wurde auf Initiative und Antrag der damaligen "Jungen Union" die Gedenktafel zur Erinnerung an die in der Nacht vom 09. auf den 10. November 1938 zerstörte Synagoge in der Gossenstraße gegenüber dem Grundstück der Synagoge angebracht. Sie wurde finanziert aus Spenden Horstmarer Bürger und aus städtischen Haushaltsmitteln. Ende der 80er bis Mitte der 90er Jahre, hat Herr Dr. Willi Feld in einigen Schriften u.a. die Vorgänge, Strafta­ten und Verbrechen in der Progromnacht u. a. auch in Horstmar sehr detailliert geschildert und zusammengefasst. Auf Initiative und Antrag eines Horstmarer Bürgers wurde in Höhe des ehemaligen jüdischen Friedhofes an der Bahnhofstraße eine Erinnerungstafel aufgestellt. Die Stadt Horstmar hat das Denkmal „Haus Eichenwald“ erworben und an Herrn Dr. Reinhard Stahl weiterveräußert, der die Erinnerung an die Geschichte des Hauses, insbesondere der Eigentümerfamilie Eichenwald aufrecht erhält. Die Initiative Stolpersteine wurde seitens der Stadt Horstmar anlässlich der Verlegung von Stolpersteinen aktiv unterstützt. An der Frontseite der Stadtverwaltung Horstmar zum Kirchplatz erinnert eine Bronzetafel an alle im Jahre 1938 in Horstmar lebenden Bürgerinnen und Bürgern jüdischen Glaubens. Der Rat der Stadt Horstmar hat aus seiner Verantwortung für die Aufrechterhaltung der Erinnerung an das den Men­schen jüdischen Glaubens auch in Horstmar zugefügte Leid heraus alle diesbezüglichen Aktivitäten unterstützt und gefördert. Wir haben aber darauf verzichtet, die bereits vor Jahrzehnten ver­storbenen Bürger, die sich teilweise mitschuldig gemacht haben, mit Rücksicht auf die Nachkommen zu nennen. Der in Rede stehende Sandstein hat seine Funktion als Grabstein durch die neutralisierende Wegnahme vom Grab und Entfernung des Namens, anders als von Herrn Geppert dargestellt, verloren und steht in keinem Zusammenhang mit Funktionen und Taten des Verstorbenen, auf dessen Grab, das im Übrigen nicht mehr existiert, er in der Zeit von 1973 bis 2019 stand. Er hat den Stein weder in Auftrag gegeben noch selber angefertigt. Die Meinung der Verfasserin des Leserbriefes ist nicht naiv, sondern richtig. Viel eher ist es naiv, auf Zuruf und aus der Ferne zu (ver-) urteilen. Wir in Horstmar sind nicht geschichtsvergessen! Im Gegenteil, wir sind viel weiter: Wir setzen uns mit der Geschichte der Bürgerinnen und Bürger jüdischen Glaubens als Opfer des Nationalsozialismus seit Jahrzehnten auseinander!

     

     

    Robert Wenking, Bürgermeister

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